Betriebsrat - Wichtig wie nie!

Betriebsseelsorge unterstützt Gründung von Betriebsräten

Finanzieller Zuschuss für Notarkosten

Das neue Betriebsrätemodernisierungsgesetz, in Kraft getreten am 18.Juni 2021, hat zum Ziel, die Gründung und die Wahl von Betriebsräten zu fördern und zu erleichtern. Zugleich soll es die Fälle der Behinderung von Betriebsratswahlen deutlich reduzieren. Deshalb wird der Kündigungsschutz jetzt erweitert. Das bedeutet:

Beschäftigte, die zu einer Betriebs- oder Wahlversammlung einladen oder die Bestellung eines Wahlvorstands beantragen sind vom Zeitpunkt der Einladung oder Antragstellung an bis zur Bekanntgabe des Wahlergebnisses unkündbar. (Siehe § 15 Abs. 3a KSchG)

Wir begrüßen diesen verbesserten Schutz für die Gründer*innen eines neuen Betriebsrats ausdrücklich und bieten unsere Hilfe an:

Wir finanzieren – je nach Absprache – die notarielle Beglaubigung, die den Initiator*innen ab sofort Kündigungsschutz bis zu drei Monaten gibt.

Wir unterstützen die Einleitung der erstmaligen BR-Wahl durch Fach-Gespräche und menschliche Begleitung. Gleichzeitig empfehlen wir den Kontakt zur zuständigen Gewerkschaft, auch um juristisch auf der sicheren Seite zu sein.

Wofür wir da sind!

Als Betriebsseelsorger*innen begleiten wir Arbeitnehmer*innen in allen Lebenslagen, insbesondere stehen wir an der Seite der Betriebrät*innen in ihrer Verantwortung für die Beschäftigten. Auch die KAB (Kath. Arbeitnehmer-Bewegung) steht uns dabei zur Seite.

Was wir bieten!

Die Gründung eines Betriebsrats braucht eine gute Vorbereitung.Wir bieten an:

  1. vertrauliche Gespräche, die interessierten Arbeitnehmern*innen helfen, die Vorteile und mögliche Nachteile der Gründung eines Betriebsrats abzuschätzen.
  2. Menschliche und persönliche Begleitung der Initiator*innen.
  3. Begleitung vor allem der Gründungsphase des Betriebsrats. Später dann regelmäßige Gespräche.
  4. Kontakte zur zuständigen, tariffähigen Gewerkschaft, die umfassenden Rechtsschutz sichert.

Das Team der Betriebsseelsorger

Pressemitteildung der Deutschen Bischofskonferenz vom 2.2.2022

Ökumenischer Aufruf zu den Betriebsratswahlen

„Zeichen für eine menschenwürdige, solidarische und gerechte Arbeitswelt“

Mit einem ökumenischen Aufruf zu den vom 1. März bis 31. Mai 2022 stattfindenden Betriebsratswahlen in Deutschland appellieren die evangelische und katholische Kirche an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, sich aktivdaran zu beteiligen. „Betriebliche Mitbestimmung und die Sozialpartnerschaft sind Garanten für eine gelebte ökonomische und soziale Verantwortung in der Sozialen Marktwirtschaft. Es ist unsere christliche Überzeugung, dass der Mensch stets Subjekt und nicht Objekt seiner Arbeit ist, dass gute Arbeit zur Würde des Menschen als Person gehört“, schreiben die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Annette Kurschus, und der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing. Unternehmerische Freiheit und betriebliche Mitbestimmung seien keine Gegensätze. „Sie bedingen einander und ergänzen sich im Sinne eines ethisch verantwortlichen Wirtschaftens. Das Engagement in der Arbeitnehmervertretung ist gelebte Solidarität und Dienst an der Gemeinschaft im Unternehmen. Als christliche Kirchen unterstützen wir, dass sich die gewählten Arbeitnehmervertretungen in den Betrieben für eine am Menschen orientierte, solidarische und gerechte Arbeitswelt engagieren.“ Präses Kurschus und Bischof Bätzing gehen in ihrem Aufruf auch auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein. Gleichzeitig mahnen sie die am Menschen zu orientierenden technischen Möglichkeiten in einer digitalisierten Gesellschaft an. Sie fügen hinzu: „Zusätzlich ist die Wirtschaft gefordert, die Weichen sozialverträglich auf Nachhaltigkeit und auf den Schutz von Klima und Umwelt zu stellen, damit wir jetzt und in Zukunft unserer Verantwortung für die Schöpfung und für nachfolgende Generationen gerecht werden.“ Die beiden Kirchen werben dafür, die vielfältigen Herausforderungen der nächsten Jahre anzunehmen. Deshalb sei es wichtig, sich an den Betriebsratswahlen zu beteiligen. „Damit setzen Sie ein Zeichen für eine menschenwürdige, solidarische und gerechte Wirtschaft und Arbeitswelt“, so Präses Kurschus und Bischof Bätzing.

Herausgeberin Dr. Beate Gilles Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz Redaktion Matthias Kopp (verantwortl.) Pressesprecher Kaiserstraße 16153113 Bonn Tel.: +49 (0) 228 103 214 Fax: +49 (0) 228 103 254 E-Mail: pressestelle@dbk.de  dbk.defacebook.com/dbk.detwitter.com/dbk_online youtube.com/c/DeutscheBischofskonferenz

PRESSEMITTEILUNGEN02.02.2022 DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ

 

Hier geht`s zum ausführlichen Text:

Aufruf-Betriebsratswahlen-Vors.-DBK-und-Vors.-EKD

zu finden auch unter www.dbk.de

Interview mit Gerhard Feda, langjähriger Betriebsratsvorsitzender bei Dehner

 

pixabay.de

Lieber Gerhard, seit Kurzem erst bist Du in Rente. Dein Berufsleben ist Dir daher noch frisch in Erinnerung. Über Jahrzehnte warst Du freigestellter Betriebsrat. Was hast Du denn ursprünglich gelernt? Du bist ja nicht schon immer Betriebsrat gewesen.

GF:  Nein. Ich habe eine Lehre als Gärtner gemacht bis hin zum Meister, und dann in der Staudenabteilung gearbeitet und war aus Ausbilder tätig.

Bei Dehner gab es damals keinen Betriebsrat, wie ist es denn dazu gekommen?

GF:  Angefangen hat es 1990 mit einem Infoblatt über das Recht, einen Betriebsrat zu gründen. Die Gewerkschaft GGLF (Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft) hat es an die Mitarbeitenden verteilt, begleitet von einem ziemlichen Medienecho. Die Geschäftsleitung selbst hat daraufhin die Wahl eingeleitet.

Die Geschäftsleitung?

GF:  Sie wollten wohl die Kontrolle über die Wahl und alles Weitere behalten.

Und Du warst von Anfang an dabei?

GF:  Ja. Ich war seit Beginn meiner Lehre, 1973, Gewerkschaftsmitglied. Ich habe dem Wahlvorstand angehört. 28 Kandidatinnen und Kandidaten waren auf der Liste. Wir waren damals etwa 850 Beschäftigte. Am 3. Oktober 1990 haben wir uns als 11er Gremium konstituiert. Noch im Oktober wurde ich zum Vorsitzenden gewählt, nachdem der erste Vorsitzende des neu gewählten Betriebsrats sein Mandat überraschend nach 3 Tagen niedergelegt hat. Ich habe mich dafür sofort freistellen lassen.

Als doch sehr junger Kollege sich freistellen zu lassen, war mutig

GF:  Schon, wobei meine Abteilung, in der ich gerne gearbeitet habe, 1991 geschlossen wurde.

Wie war denn die Anfangszeit als Betriebsrat?

GF:  Für einen Familienbetrieb wie Dehner war es ja fast so etwas wie ein Weltuntergang, dass da bei vielem nun ein Betriebsrat mitreden wollte. Sich Respekt zu verschaffen, auf Augenhöhe sich zu begegnen, war nicht leicht. Was mich betrifft, so half mir die Freistellung. Ich denke für jemanden, der als Betriebsrats-Vorsitzender zugleich in den normalen Arbeitsablauf integriert ist, ist das schwieriger. Zudem haben mir meine betriebswirtschaftlichen Kenntnisse, die ich mir in der Meisterausbildung erworben hatte, geholfen.

Trotzdem – ein völlig neuer Beruf, völlig neue Herausforderungen

GF:  Absolut. Und wir haben uns gleich, zusammen mit der Gewerkschaft, an ein großes Projekt gewagt: Die Einführung eines Haustarifvertrages. Mit 14 Leuten in der Tarifkommission haben wir 1½ Jahre verhandelt. Es hat sich dann herausgestellt, dass Dehner bereits seit 1972 Mitglied im Arbeitgeberverband Einzelhandel war, der Tarifvertag war damals allgemeinverbindlich und Dehner hätte ihn anwenden müssen. Deshalb haben die Kolleginnen und Kollegen zweimal eine 10%ige Lohnerhöhung bekommen. 2009 übrigens ist Dehner dann wieder in die OT-Mitgliedschaft beim Arbeitgeberverband gewechselt und damit ohne Tarifbindung (OT).

Damals jedenfalls haben alle im Betrieb gemerkt, wie gut es ist, dass es einen Betriebsrat gibt.

GF:  Aber es war auch viel Arbeit. 1991 mussten in kurzer Zeit gut 800 Beschäftigte eingruppiert werden. Die Arbeiter sahen das alle positiv, während einige Angestellte, und die stellten damals über 50% der Beschäftigten, gegen die Eingruppierung klagten. Der Tarifvertrag hatte zudem für alle die schöne Folge, dass nun Urlaubs- und Weihnachtsgeld gezahlt wurden.

Wichtig bei all dem die Unterstützung der Gewerkschaft

GF:  Klar, ohne die Gewerkschaft wäre das nicht so gelaufen. Wobei bald zwei Gewerkschaften um unseren Betrieb konkurrierten. Die GGLF, die das ganze ins Laufen gebracht hat, und die HBV (Handel, Banken und Versicherungen), die uns als Handelsunternehmen und damit in ihrer Zuständigkeit gesehen hat. Letztlich sind wir dann bei der HBV und dem damaligen Betriebsbetreuer Richard Kurz gelandet. Rückblickend konnte uns nichts Besseres passieren.

Im Zusammenhang mit der Betriebsratsgründung hattest Du von einem gefühlten „Fast-Weltuntergang“ für die Geschäftsleitung gesprochen. Euch gibt’s aber bis heute.

GF:  Es gab aber viele Auseinandersetzungen. Oft haben wir uns vor dem Arbeitsgericht getroffen. In der Regel haben wir gewonnen. Ohne eine wirklich gute Vorbereitung, ohne Aneignung von rechtlichem Wissen und gute Anwälte, die wir hatten, wäre es nicht gegangen.

Was haben diese Auseinandersetzung in Dir ausgelöst?

GF:  Eigentlich bin ich ziemlich stressresistent, hatte nie Angst vor Druck, konnte damit umgehen, wenn ich angeschrien wurde. Das hat mich nur ein Lächeln gekostet. Wobei die Zeit unmittelbar nach der Gründung des Betriebsrats schon schlimm war. Ich wurde persönlich diffamiert, manche haben nicht mehr mit mir geredet. Und wenn Du dann noch persönlich auf 500 000 Mark, damals, Schadenersatz verklagt wirst, dann wird`s dir schon anders.

Hast Du mal an Aufhören gedacht?

GF:  Nein, an`s Aufhören habe ich nie gedacht. Es gab da immer einige, „mein kleiner Fanclub“, die mich bestärkt haben, gesagt haben, „mach weiter“. Ich habe den Betriebsrat mit auf den Weg gebracht und wollte ihm treu bleiben. Nicht zuletzt in meiner Zeit als Gebirgsjäger bei der Bundeswehr habe ich gelernt, was Zusammenhalt in schwierigsten Situationen bedeutet.

Du hast über Rain hinausgeschaut

GF:  Die Zentrale in Rain ist das eine. Dehner hat aber zusätzlich über 130 Märkte in Deutschland und Österreich. Nur etwa 35 Märkte haben einen Betriebsrat. Bei 25 von ihnen habe ich die Gründung des Betriebsrates mitinitiiert und Wahlen mitbegleitet. 1992 haben wir dann einen Gesamtbetriebsrat eingerichtet. Da war ich sehr viel unterwegs. Aber Mitbestimmung ist einfach wichtig. Es gibt Dir als Beschäftigter eine gewisse Sicherheit. Du bekommst einen gerechten Lohn, kannst Dich bei Problemen an den Betriebsrat wenden, kannst nicht so einfach gekündigt werden. Im Osten, zum Beispiel, hat Dehner sofort nach der Wende Baumschulen im großen Stil gekauft. Nach Auslaufen des Treuhandvertrages wurden alle Baumschulen geschlossen. Ohne einen Betriebsrat, den es damals in Dresden gab, wären die Beschäftigten ohne Sozialplan, der sie finanziell doch etwas abgefedert hat, entlassen worden.

Welche Rolle spielt die Gewerkschaft für die tägliche Betriebsratsarbeit

GF:  Eine große, natürlich. Wobei ich als Betriebsrat, wenn es gemeinsam mit der Gewerkschaft um Auseinandersetzungen mit der Geschäftsleitung ging, mich immer gefragt habe, „halte ich das, halten wir das als Betriebsrat aus?“ und „hält das die Belegschaft aus?“. Als hauptamtlicher Gewerkschafter muss ich immer wissen, die Betriebsräte vor Ort müssen letztlich den Kopf hinhalten, ich kann schon eine kämpferische Rede in der Betriebsversammlung oder der Verhandlungsrunde halten, aber ich bin danach wieder weg, während die Betriebsräte bleiben. Aber die Gewerkschaft brauchen wir gleichwohl und da fehlt es mir, wenn ich sehe, wie viele oder besser wenige bei Dehner Gewerkschaftsmitglieder sind, an Solidarität in der Belegschaft.

Was hat für Dich persönlich die Betriebsratsarbeit wertvoll gemacht?

GF:  Mir hat gutgetan, dass ich im Betrieb als eine Vertrauensperson bekannt war, an die man sich wenden konnte. Ob Pleite, Drogen, Alkohol, Scheidung, alles war mit dabei. Die Leute wussten, der kümmert sich, kann weiterhelfen, bis hin einmal zu einer Kleidersammlung für eine Schwangere. Und mich hat es immer gefreut, wenn etwas gut ausgegangen ist, wenn etwa jemand sich auf eine Entzugstherapie eingelassen hat. Da bist du als Betriebsrat auch Psychologe oder Sozialarbeiter. Ich habe einfach viel zugehört und überlegt, wie ich helfen kann. Als Betriebsrat brauchst Du eine soziale Ader.

Nicht leicht, sich mit solch existentiellen Problemen von Menschen auseinander zu setzen

GF:  Nein. Auch weil ich dabei mit meinen eigenen Grenzen konfrontiert werde. In meiner Zeit haben sich drei Menschen das Leben genommen. Zwei von ihnen habe ich in Beratung gehabt. Da denkst du natürlich, „was habe ich falsch gemacht“, „habe ich das Richtige gesagt?“. Mich hat das sehr mitgenommen.

Das nimmt man ja auch mit nach Hause

GF:  Ja, aber ich konnte doch in der Regel gut abschalten. Dazu brauchst Du ein gutes Umfeld, eine gute Partnerschaft. Ich bin gerne draußen, im Wald.

Neben dem Abschalten Können, was gehört für Dich zum Handwerkszeug guter Betriebsratsarbeit?

GF:  Ich muss mich rechtlich gut qualifizieren, um mir etwas Sicherheit zu erwerben. Ich sollte Schulungen machen. Ich weiß noch, wie wichtig für mich zwei Wochenschulungen waren, in denen ich viel über Gesprächsführung, das Einfühlen in die Gegenseite und über meine eigenen Grenzen gelernt habe. Grundsätzlich geht es darum, dass in Verhandlungen etwa über Betriebsvereinbarungen niemand sein Gesicht verliert, dass man hält, was man zugesagt hat. Ich brauche Fingerspitzengefühl, um einen guten Kompromiss zu finden, wann ich auch mal „Nein“ sagen muss, das aber mit Anstand und ohne beleidigend zu werden. Ein absolutes „Nein“ ohne weitere Diskussion zum Beispiel kam von uns, als es um Sonntagsöffnungen und Sonntagsarbeit ging.

Viel Verhandlungsgeschick und Psychologie gehören zur Betriebsratsarbeit

GF:  Klar, so muss ich, wenn es kritisch wird, auch mal vertagen, eine Nacht drüber schlafen, etwas Abstand gewinnen. Das gilt auch für den einzelnen Beschäftigten: zum einen ist es wichtig, dass er in Gespräche mit der Leitung jemanden vom Betriebsrat mitnimmt, und zum anderen, dass er nicht gleich irgendwas unterschreibt, sondern erstmal das Ganze sich setzen lässt, darüber schläft und etwa mit dem Betriebsrat bespricht.

All das geht nur, wenn es einen Betriebsrat gibt

GF:  Man muss sich nur mal vorstellen, was wäre, gäbe es keinen Betriebsrat: Wildwuchs bei Überstunden, Lohnerhöhungen nach Goodwill, wenn überhaupt. Ohne Betriebsrat verzichten die Kolleginnen und Kollegen im Grunde auf eine kostenlose Servicestelle im Betrieb. Und einen Betriebsrat erst in Konfliktsituationen aufzubauen, ist wahnsinnig schwierig. Wer das versucht, wird häufig regelrecht gemobbt.

Mit welchen Gefühlen gehst Du nun in Rente

GF:  Mit guten. Ich denke, in meiner ruhigen, sachlichen Art habe ich die Betriebsratsarbeit von Anfang an mitgeprägt. Im bewährten Dreischritt „das Problem beschreiben, was wollen wir erreichen, also Ziele formulieren und schließlich das Vorgehen planen“, so haben wir viel erreicht. Derzeit hat sich auch das Verhältnis zur Geschäftsleitung entspannt und das ist gut so. Keiner kann ewig im Krieg leben. Die neugewählten Kolleginnen und Kollegen stellen ein gutes Team und ich wünsche ihnen alles Gute.

Danke für Deine Zeit und das Gespräch

Das Gespräch wurde geführt mit Thomas Hoffmann, Betriebsseelsorger Donau-Ries